Japan- zurück in den Westen

Aus den Tropen ging unsere Reise weiter gen Osten ins schöne Japan mit angenehmen Temperaturen. Denn natürlich ist der Inselstaat geografisch betrachtet nicht im Westen gelegen, jedoch fühlt es sich ziemlich europäisch an, wenn man gerade südostasiatische Verhältnisse gewohnt ist.

Quasi ein Kulturschock im positiven Sinne. In Japan hat man plötzlich wieder überall befestigte Straßen, Verkehrsregeln, an die sich auch gehalten wird und für uns besonders von Bedeutung: Gutes WiFi. Bis auf den Linksverkehr, den wir aber schon kannten, ziemlich modern das Ganze.

Das Gebirge: Japan

Japan ist von der Fläche her in etwa so groß wie Deutschland aber mit seinen fast 127 Millionen Einwohnern um einiges Dichter besiedelt ist. Wusstet ihr, dass Japan eigentlich ein einziges Gebirge ist? Hier treffen gleich vier tektonische Platten aufeinander, deshalb ist es leider so stark erdbebengefährdet. Diese Platten sind auch dafür verantwortlich, dass Teile Japans weder bewohnbar, noch landwirtschaftlich nutzbar sind und sich deshalb die Bevölkerung hauptsächlich in den Großstätten tummelt.

In Tokio, der Hauptstadt Japans, wird es da schon mächtig eng für die rund 9 Millionen Einwohner. Um noch einmal den Vergleich zu Deutschland zu bringen: In Berlin leben gerade einmal „nur“ knapp 3,6 Millionen Menschen. Es ist also sehr viel los in den Städten Japans und genau das ist eigentlich gar nicht so unser Ding. Doch Japan hat so viel mehr zu bieten als nur Großstadtgewusel, deshalb ging es für uns raus aus der Stadt und ab in die idyllische Bergelandschaft.

 

Kon´nichiwa

Es war unglaublich zu sehen bzw. ist es noch, wie gut und schnell sich unsere Drei in einem neuen Land zurechtfinden und keinerlei Berührungsängste haben. Die gängigsten Wörter schnappen sie rasend schnell auf und wenden sie an, wann immer sie können. Nach Pfannkuchenteig im Supermarkt fragen? Kein Problem. Zur Not haben sie mittlerweile schon ein kleines, solides englisches Grundvokabular. Es ist faszinierend mit anzusehen, wie unsere Drei an ihren Aufgaben wachsen und stetig dazulernen.

So wenig Berührungsängste unsere Kinder haben, so wenig haben auch die Japaner. Sie sind unglaublich aufgeschlossen und durch die Bank weg freundlich und äußerst zuvorkommend. Wir saßen eines Abends an unserem Van und aßen etwas, bis die kleine, super nette Dame, der wir vorher einen unserer Pancakes spendiert haben, mit einer Tüte Chips zurückkam und sie den Kindern schenkte. Später holte sie Katrin noch in ein kleines Gebäude, wo sie zu feiern schienen und hat ihr eine ganze Palette Sushi für uns mitgegeben. Einfach unglaublich freundlich.

Die Japaner lieben es zu Campen und ihr Land selbst mit einem Van zu erkunden. An einem der Rastplätze trafen wir einen älteren Herren, der seine Rente damit verbringt, durch sein Heimatland zu Reisen. Stolz zeigte er uns seinen umgebauten Campervan, der sogar Internet besaß.

 

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Ganz schön kostspielig dieses Japan

Wir, als Backpackerfamilie, wollen natürlich keinen vierwöchigen Luxusurlaub machen, sondern so viel wie möglich von den Ländern sehen und das so günstig wie möglich. Doch Japan und günstig passen so rein gar nicht zusammen, denn Japan gehört zu den teuersten Ländern dieser Erde, vor allem, wenn es um die Lebenshaltungskosten geht. Hat man sich aber etwas in den Kopf gesetzt und will es unbedingt, so findet man Mittel und Wege, sich seine Wünsche zu erfüllen. Und unser Wunsch war es, trotz der hohen Kosten, Japan zu bereisen.

Nicht nur die Kosten für Lebensmittel waren sehr hoch, sondern auch die Preise für Unterkünfte lagen jenseits unseres Budgets. Eine einzelne Dose Guinnes Bier sollte doch glatt 2,60€ kosten und zwei dünne Minigurken gab es für 1,70€. Das war schon eine ganz schöne Umstellung, wo wir doch sehr geringe Preise für frisches Obst und Gemüse gewohnt waren. Für ein Bett im Hostel zahlte man ebenfalls locker 30€ die Nacht, ein schlichtes Hotelzimmer kostete um die 150€ und selbst ein Air BnB für 80€ war uns immer noch zu teuer. Wir selbst lesen sehr gerne Blogs von anderen Weltentdeckern, so kamen wir auf die glorreiche Idee unsere Unterkunft mit der Mobilität zu verknüpfen und auch eine Roadtour mit einem Camper durch Japan zu machen.

Mit dem Camper durch das Land/ Bring uns fort- Ford

Im Vorfeld buchten wir uns für den Monat Juni einen Campervan, der uns auf unserer Rundreise begleiten sollte. Mit Japan Campers haben wir den perfekten Verleih an unserer Seite gehabt. Sie haben uns nicht nur stumpf einen Camper zur Verfügung gestellt, sondern unterstützen ebenfalls bei der Routenplanung und allem was anfällt, um eine bestmögliche Reiseerfahrung zu machen. Der Chef der Agentur, ein gebürtiger Pole, ist selbst Jahrelang mit einem Camper umhergereist und hat somit die Ausstattung und Aufteilung in seinen Fahrzeugen perfektioniert. Man könnte im Prinzip nur mit seiner Zahnbürste und Unterhose im Gepäck anreisen, im Van ist für alles gesorgt. Die Ankunftsnacht verbringt man in der Regel im firmeneigenen Gasthaus und startet nach einer Einführung am nächsten Morgen seine Rundreise. Bei unserer Ankunft war die Unterkunft aber leider ausgebucht, sodass sie uns einfach unseren Van offengelassen haben, damit wir dort drin nächtigen konnten.

Platzwunder auf 4 Rädern / Zu fünft im Van

Der Van war nicht gerade sehr groß, aber als minimalistische Familie hatten wir mit dem geringen Platzangebot keine Probleme. Sicher, für einen längeren Zeitraum, wäre es zu wenig gewesen, aber einen Monat auf engstem Raum war für uns locker machbar. Das Dach des Fords konnten wir ausklappen und zu einer Liegefläche umfunktionieren, ebenso die Rücksitze. Der Kühlschrank befand sich zwischen Fahrer- und Beifahrersitz und war ebenfalls verschiebbar. Die Ausstattung umfasste alles, vom Besteck, zum Wasserkanister bis zur Matratze und Decke. Es war einmal das Rundumsorglospaket.

Unsere deutschen Führerscheine haben in Japan zwar eine Gültigkeit, jedoch müssen sie bei der Botschaft übersetzt und beglaubigt werden. Hierbei hilft Japancampers aber ebenso, wie bei der Routenplanung. Es gibt sogar eine eigene App zur Routenplanung mit eingezeichneten, kostenlosen Parkplätzen, Raststätten und Onsens, auf denen man sich niederlassen kann.  Alles in Allem ein Rundumsorglospaket für Selbstversorger. So konnten wir, nach einem ersten Besuch im örtlichen Supermarkt, direkt ins Abenteuer Japan starten.

Wo geht’s hier auf´s Klo?

In Japan ist alles unglaublich sauber und gepflegt. Hatten wir in Thailand teilweise Angst nur ein Loch als Toilette vorzufinden, so war der Gang auf den Thron in Japan fast wörtlich zu nehmen. Selbst an Wanderwegen im Gebirge gab es Toilettenhäuschen und wirklich, durch die Bank weg, alle waren äußerst sauber. Man konnte schon fast vom Boden essen, wenn man gewollt hätte. Einige darf man sogar nur mit Hausschuhen betreten. Alle japanischen Toliettensitze verfügen über eine computerähnliche Tastenreihe neben der Klobrille. Hierüber lassen sich sämtliche Spülfunktionen steuern und auch der Klobrillenheizung regulieren. Nicht nur die Anlagen an sich waren super sauber, auch war es sehr gemütlich auf den beheizten Sitzen, mit angenehmer Plätschermusik im Hintergrund.

Die technikbegeisterten Japaner sind ein wenig prüde, sodass die Musik die unweigerlichen Toilettengeräusche übertönen soll. Das Beste an den Toilettenbesuchen war aber auch, dass sie alle kostenfrei waren, egal wo. So konnten wir ruhigen Gewissens egal welchen, der auf unseren Karten markierten Rastplätze, ansteuern und hatten immer eine super saubere, kostenfreie Möglichkeit pipi zu gehen. Davon kann man sich in Deutschland definitiv eine große Scheibe abschneiden. Ich kenne keinen, der sich gerne auf einer der kostenfreien Toiletten auf deutschen Raststätten erleichtert.

Wo wir schon bei der täglichen Hygiene sind: Duschen gab es leider kaum auf den Parkplätzen aber wir hatten immer die Möglichkeit uns dort zu waschen und unseren Wasserkanister mit frischem Wasser aufzufüllen. Einmal die Woche sind wir dann, typisch japanisch, in einem Onsen gewesen. Ein Onsen ist die japanische Bezeichnung für eine heiße Quelle, ähnlich einem Thermalbad. Jedoch herrschen hier strikte Regeln, an die es sich für alle zu halten gilt, denn es ist kein Spaßbad. Onsens sind Orte der Ruhe und Entspannung. Bis auf eine Hand voll Ausnahmen, herrscht in ihnen strikte Geschlechtertrennung.

Es darf nicht gerannt oder ins Wasser gesprungen werden. Die einzelnen Bäder dürfen auch nur mit einem Handtuch bekleidet betreten werden, gebadet wird dann nackt. Wer damit ein Problem hat, hat die Möglichkeit sich ein Privatbad zu mieten aber das kostet dann auch dementsprechend. Ebenso könnte es für tätowierte ein Problem werden in einem Onsen zu baden, denn Tätowierungen sind gar nicht gern gesehen. Am Besten man erkundigt sich dann im Vorfeld im Onsen darüber, ob es genehm ist oder nicht, denn als Ausländer zieht man unter umständen eh schon die Blicke auf sich, da sollte man jeden Fauxpas vermeiden. Die Regeln mögen einen zwar im ersten Moment etwas „erschlagen“ aber so schlimm ist es nicht und wenn man sich an sie hält, steht einem ein entspannter Besuch im Onsen nichts mehr im Wege.

Regentage und Löffelliste

Unsere Tage in Japan verbrachten wir hauptsächlich draußen, mit Wanderungen durch die Berge oder einem entspannten Lagerfeuer im Flussbett und Stockbrot. Alle drei Kinder haben sich immer mehr in unserem „Camper- Haushalt“ integriert und kleine Aufgaben, wie Abwaschen oder Frühstück Zubereiten, übernommen. Ab und an hat uns auch mal der Regen im Camper eingeschlossen und wir mussten irgendwie die Zeit rumkriegen, doch auch das stellte kein Problem für uns da. Unseren Van konnten wir so umbauen, dass wir alle zusammen gemütlich hinten drinnen sitzen konnten. Mit Kartenspielen, Reimen und unserer Phantasie haben wir die Zeit dann auch super rumbekommen.

Katrin hat sich mal vor geraumer Zeit eine Löffelliste angelegt und von dieser Liste konnte sie nun getrost einen Punkt streichen. Auf eine Löffelliste schreibt man alle Dinge, die man gemacht haben möchte, bevor man den Löffel abgibt. Bei Katrin war es eine Gondelfahrt im Sommer und die haben wir gemacht, auf 1100m Höhe. Wir wären auch gerne noch weiter hochgefahren, jedoch hätten wir hierfür einzelne Sessellifte nehmen müssen und dafür waren die Kinder noch zu klein. Dies machte uns nichts weiter aus, schließlich war der Ausblick mega und besonders Katrin glücklich.

Shinka- Was?

Neben unseren Wanderungen und Katrin‘s Gondelfahrt haben wir auch noch ein Eisenbahnmuseum besucht, in dem unter anderem Teile des Shinkansens ausgestellt sind. Der Shinkansen, ist der Rekordhalter der Hochgeschwindigkeitszüge und saust mit 600km/h durch Japan. Wir sind leider nicht mit ihm unterwegs gewesen, haben ihn aber gesehen, als er an uns vorbeigerast ist. Besonders hervorzuheben ist, dass die Züge in Japan äußerst pünktlich sind, wirklich ultra pünktlich. Zusammengerechnet kommt der Shinkansen auf fünf Minuten Verspätung in einem Jahr und das nicht am Stück, versteht sich.

In dem Museum war wirklich für jeden etwas dabei und die drei Stunden, die wir dort waren, haben sich mehr als gelohnt. Für das technikverrückte Japan darf natürlich auch eine Simulation des schnellsten Zuges der Welt nicht fehlen, ganz zur Freude unserer Kinder. Sie wollten da gar nicht weg, vor allem Julien nicht. Die ganze Technik dort und die Fahrzeuge sind voll sein Ding. Besonders spannend war es für ihn, nicht nur Roller und alte Schrottkisten auf den Straßen zu sehen, wie es in Südostasien der Fall war, sondern fast täglich irgendwelche Luxuskarren. Angefangen beim Audi RS6 bis zu Ferrari und Lamborghini war alles dabei und unser Julien konnte sich gar nicht satt sehen.

Japan- Auf den Spuren des Mount Fujis

Außerhalb des Großstadtdschungels hat Japan eine wunderschöne Natur zu bieten. Die wir vollends auskosteten. Wir hatten keine expliziten Ziele vor Augen, sondern ließen uns ein wenig treiben. Übernachten konnten wir quasi wo wir wollten, entweder auf einem der Rastplätze in unseren Karten oder dort, wo es uns gerade gefiel. Zu Beginn unserer Rundreise machten wir Halt in Nagano, schauten dort bei einem Fußballspiel im Stadion zu und begeisterten uns an den vielen Brücken. Über Takayama ging es weiter in Richtung Mount Fuji, dem mit 3776,24m über NN höchsten Berg Japans, der eigentlich ein Vulkan und Weltkulturerbe ist. In unseren ersten acht Tagen Japan, haben wir schon ordentliche 1000km zurückgelegt und wieder einmal festgestellt, dass uns das Leben in den Städten so gar nicht zusagt und wir lieber draußen in der Natur sind.

Okaya war für uns ein ziemlich perfekter Ort. Er ist in den Bergen gelegen aber direkt an einem See. Um den See herum gibt es eine 16km lange, asphaltierte Laufstrecke, die sich Katrin gleich zu Nutze gemacht hat, um für den nächsten Marathon zu trainieren. Überall war saftiges Grün der Wälder zu sehen und hoch oben auf den Berggipfeln sogar Schnee. Es ist doch wunderschön, die Augen zu öffnen und gleich einen See vor den Augen zu haben. Auch wunderschön ist, den Rastplatz in der Nähe eines 7/11(einer japanischen Shop-Kette) und somit kostenloses WiFi zu haben. Das ist für uns immer besonders wichtig, um euch auf dem Laufenden zu halten und natürlich zu arbeiten. Zum Glück gibt es vielerorts eine gute, kostenlose Internetverbindung in Japan, ganz anders als in Sri Lanka.

Was hat uns der Monat in Japan gekostet?

Trotz dessen Japan als eines der teuersten Länder der Welt gilt, haben wir uns, als fünfköpfige Familie gewagt, auf unserer Weltreise auch dieses Land zu bereisen. Und siehe da, wir haben mit wesentlich mehr Ausgaben gerechnet, als wir eigentlich hatten. Ein voller Erfolg, den wir definitiv wiederholen möchten.

Unser Van hat 1600€ gekostet und beinhaltete 3000 Freikilometer, wovon wir „nur“ 2600km gefahren sind. Der Sprit ist in Japan im Gegensatz zu Deutschland mit einem Euro pro Liter günstiger, wodurch wir Benzinkosten von 340€ hatten. Bei einem V6 Motor im Gebirge ganz passabel.

Was jedoch ein ziemlich teurer Spaß werden kann, sind die Autobahnen, denn hier fällt eine üppige Maut an. So gut es ging haben wir diese gemieden und so nur 16€ an Mautkosten gehabt. 14€ vielen an Parkgebühren an, da wir doch zweimal auf gebührenpflichtige Parkplätze ausweichen mussten. Das Eisenbahnmuseum kostete 27€, die Gondelfahrt 62€ und die Hot Springs (Onsens) 117€. Eine Fahrt nach Tokio haben wir mit dem Zug zurückgelegt und dafür 47€ gezahlt.

Der nächste große Kostenfaktor, war die Verpflegung. Diese schlug mit 1050€ zu Buche, wobei wir hier extrem Sparsam waren und uns ausschließlich selbst versorgt haben. Es ist durchaus mit einer Leichtigkeit möglich hier das dreifache auszugeben.

Mit Gesamtkosten von 3265€ war der Monat Japan sogar noch günstiger als unser Budget Crascher Monat in Malaysia.

 

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