Und was ist eigentlich mit Schule?

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Familie Leichsenring
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Und was ist eigentlich mit der Schule?
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SCHULE -DIE WOHL HÄUFIGSTE FRAGE, DIE UNS GESTELLT WIRD.

Eins möchte ich an dieser Stelle klarstellen: weder Stefan noch ich sind Schulgegner! Womit wir ein wenig hadern, ist das deutsche Schulsystem. Es war für mich schockierend zu hören, daß Julien (in der dritten Klasse aktuell) neulich zu mir gesagt hat, er habe keinen Bock auf Schule. Was ist der Grund für sowas? Sollte es, besonders in der Grundschule, nicht so spannend sein, daß wissensgierige Kinder es kaum erwarten können am nächsten Tag in die Schule zu gehen? Ich bin zu Boden gesackt, als mein Sohn mich mit dieser Aussage konfrontiert hat.

Ich bin der Meinung, daß Lernen Kindern angeboren ist!

Sie sind ständig neugierig und saugen förmlich alles auf, was sie zu hören oder sehen bekommen (oder selbst tun dürfen). Man müsste sich schon sehr doll anstrengen als Kind nicht zu lernen. Das ist quasi unmöglich. Eines Tages als Julien von der Schule nach Hause kam, fragte er mich, ob ich denn wisse, dass Schmetterlinge Rüssel haben. Ich antwortete ihm: „Nein, das wüsste ich nicht.“ – „Siehst du Mama, und warum soll ich das jetzt wissen?“ Tja, was soll ich dazu sagen? 1:0 für dich mein Junge. Man kann nie genug Gewissen haben, das ist nicht das Thema! Aber er wollte an dieser Stelle etwas anderes lernen statt über Rüssel der Schmetterlinge. Man hat ihn aber nicht gefragt was er lieber hätte. Zu Hause sagte er mir, dass er die Bienen bevorzuge, weil die ja wenigstens Honig produzieren. Die Kinder müssen lernen was im Lehrplan steht und sind somit die Marionetten der Lehrer. Eigenbestimmung, Selbstverantwortung, Initiative – dafür gibt es kaum Raum. In einem vorgegebenen Zeitfenster sollen die Kinder lernen, was ihnen vorgegeben wird. Oder anders – Es muss gelernt werden, was die Gesellschaft für richtig befindet.

Familie auf Weltreise Schule

Unsere Reiseausrüstung

MATHEMATIK – PARABELN STATT DREISATZ

Unsere Tochter Marie tut sich ganz schwer mit Mathematik. Der Lehrplan sieht vor, daß das Rechnen im Zahlenraum bis 20 in der ersten Klasse sitzt. Nun ist sie in der zweiten Klasse und es geht weiter mit dem Rechnen im 100er Raum. Im zweiten Halbjahr kommt das 1 x 1 dazu. Wie soll sie Spaß am Rechnen und Lernen des 1 x 1 haben, wenn das Addieren bis 100 noch nicht perfekt sitzt? Müsste man sich in solchen Fällen nicht genug Zeit nehmen und den Anfang der Mathematik dem Kind auf spielerische Art und Weise verständlich machen? Damit es dann beim 1 x 1 gut mitkommt. Das zu hohe Lerntempo an dieser Stelle, nimmt leider Marie sämtlichen Spaß an der Mathematik und die Möglichkeit später gute Noten zu schreiben. Leider heißt es hier im deutschen Schulsystem: Pech gehabt! Es ist selbstverständlich, daß die Motivation von Marie in den tiefsten Keller sinkt. Und gerade der Umgang mit Zahlen sollte doch im späteren Leben brauchbar genutzt werden. Wenn eine Abiturienten, die sich bei H&M eine Hose kaufen will, nicht weiß wie viel 10 % von 49,99€ sind, und sich raus redet mit: „das entscheide ich aus dem Bauch“, dann ist das nicht nur peinlich, sondern einfach schade.

DEN KINDERN ZEIT ZU LASSEN, IST DAS STICHWORT!

Die Motivation unserer Kinder könnte man auch zu 100 % steigern, wenn Sport, Kunst, Theater und Musik nicht zu kurz kommen würden. Es gibt Studien, die sogar belegen das musikalische Kinder besser begreifen und dass Ihnen das abstrakte Denken leichter fällt. Stattdessen werden sie erzogen 45 Minuten lang still zu sitzen und an die Tafel zu starren. Das beste Beispiel ist Marie, die in einer Mathestunde plötzlich aufsteht (alle Kinder sitzen still an ihren Plätzen und rechnen) und zu ihrer Lehrerin sagt: „ich muss Ihnen kurz mal eben Spagat zeigen.“ Marie hat einen sehr großen Bewegungsdrang (wie ich übrigens) und hätte man häufiger Sport, wäre sie wahrscheinlich ausgeglichener und könnte sich mehr auf die Mathestunde konzentrieren.

Die Individualität und Interessen der Kinder werden im deutschen Schulsystem außer acht gelassen. Die Schüler müssen tun, was Lehrer Ihnen sagen, und die müssen wiederum erfüllen, was der Lehrplan verlangt. Das führt dazu, daß die Kinder nicht selbständig denken,handeln und entscheiden.

Mein Lieblingskritiker Harald Lesch erzählt folgendes Beispiel, bei dem man tatsächlich aus allen Wolken fallen könnte. Eine 17-jährige Schülerin fragt in einem Bewerbungsgespräch, ob sie auf die Toilette dürfte. Sie informiert nicht, sondern fragt! Eine fast erwachsene Frau fragt ernsthaft, ob sie einem natürlichen, menschlichen Bedürfnis nachkommen könnte??? Sollten uns das nicht zu denken geben? Es sollte doch machbar sein eine so einfache Entscheidung, im Alter von 17 Jahren, selber zu treffen. Oder? Da gehen Schüler 12 bzw.13 Jahre lang zur Schule und machen ihr Abitur, hinterher sind sie nicht mal in der Lage zu wissen, daß man sich in Deutschland krankenversichern muss.

INPUT GEBEN, WENN DIE KINDER DANACH VERLANGEN

Marie lag neulich abends mit ihrem Kopf auf meinem Brustkorb. Sie fragte warum man den Herzschlag hört. Da habe ich ihr den kleinen Kreislauf und den großen Kreislauf erklärt. Und was eines Systote und Diastote ist. Das war ein kleiner Ausflug in die Anatomie des Menschen Eigentlich Lehrstoff der siebten Klasse Biologie! Marie war total begeistert und hat zugehört und alles aufgenommen. Sie verlangte regelrecht nach dem Wissen. (Warum,.. und warum,…warum????) – Wie ein Staubsauger. So einfach kann das sein. Ohne Druck und Zwang lernte es sich viel freier. Das Interesse der Kinder im richtigen Moment erkennen und Ihnen dann das entsprechende Wissen vermitteln. Das freie lernen ist doch viel effektiver, als unter Druck etwas lernen zu müssen. An diesen Druck erinnere ich mich noch ganz genau: oh Gott wie sehr habe ich geschwitzt, als es hieß: heute bist du dran, mit deinem Referat! Erinnert ihr euch an das Gefühl? Ich hatte Schweißflecken übers gesamte T-Shirt verteilt und habe mir vor der ganzen Klasse irgendwelche Sätze vor mir heraus gestottert. Und wofür? Für eine gute Note! Das war die einzige Motivation. Nach einer Woche wusste ich fast nichts mehr über das Thema über das ich referierte, denn es interessierte mich auch wenig. Und genau das möchte ich meinen Kindern ersparen.

RELATION – RICHTIGSTELLUNG

Es ist immer leicht, wenn man alleine ist, auf die Kinder individuell einzugehen. Ein Lehrer, der die Aufgabe hat 20 bis 30 Schüler gleichzeitig zu unterrichten, kann das gar nicht so individuell und erfolgreich machen. Die Fehler liegen also nicht bei den Lehrern, sondern an einem System, dass die Kinder nicht als Individuen betrachtet.

In Bezug auf unsere Weltreise, sehen wir es ganz entspannt. Wir werden uns so viel Zeit nehmen, wie die Kinder brauchen. Außer Mathematik werden wir wahrscheinlich nicht an den Tisch setzen und irgendetwas nützliches lernen. Unsere Kinder sollen den Umgang mit anderen Kulturen erfahren, die Augen offen halten und selber ganz viel ausprobieren dürfen. Dinge die wir selber nicht wissen, davon gibt es eine ganze Menge, werden wir mit den Kindern gemeinsam recherchieren und erlernen. Unsere Kinder sollen wissen, dass ihre Eltern nicht alles wissen und auch Schwächen haben.

Müsste nicht ein Abiturient eigentlich in der Lage sein eine Steuererklärung zu machen? Die gelernte Kurven Diskussion hilft ihm dabei leider recht wenig.

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