Abschied - Die letzten Tage vor der Abreise

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Familie Leichsenring
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Abschied - Die letzten Tage vor der Abreise
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Das Haus ist vermietet, die Abschiedsfeier ist vorüber und die letzten Tage auf heimatlichen Boden sind angebrochen. Der Tagesrhythmus wird bestimmt von den letzten kleinen Erledigungen. Alles läuft eigentlich wie geplant, die Checkliste wurde ja schließlich vor über einem Jahr erstellt und penibel abgearbeitet. Wir stellen uns immer wieder die Frage, ob wir nicht irgendetwas vergessen haben. Der Abschied rückt näher. Sind wir erstmal unterwegs, wird es nicht mehr so einfach die Dinge zu regeln. Und so stellt sich das Gefühl ein, dass wohl jeder kennt, der auch in den Urlaub fährt: „Schatz, haben wir den Herd angelassen?“

„keine Sorge mein Schatz –  der Herd ist ausgeschaltet“

Wir beruhigen uns. Wir haben genug Zeit investiert in die Vorbereitung der Weltreise und wir glauben tatsächlich an alle wichtigen Dinge gedacht zu haben. Aber der Kopf will es noch nicht ganz wahr haben. Dieses tägliche Grübeln, die große Frage, was wir denn nun vergessen haben. Wir wissen es nicht. Alle Dinge unserer Checkliste sind abgehakt. Alle Helfer daheim, wissen Bescheid, haben die nötigen Vollmachten und strahlen eine positive Ruhe aus. Das kann eigentlich nur ein gutes Signal sein. Wir freuen uns auf den Tag der Abreise. Immerhin fiebern wir dem seit über einem Jahr entgegen. Am Sonntag geht es also los. In Hamburg steigen wir in den Zug. Hoffentlich vergessen wir nichts. Probepacken wollen wir auch noch diese Woche. Und passt überhaupt alles rein in die drei Rucksäcke? Die Nervosität ist bei uns Erwachsenen zu spüren. Immer wieder kreuzen sich Katrin und mein Blick. Wir tauschen uns kurz aus, nur um dann vom Partner bestätigt zu bekommen, daß doch alles organisiert ist. Jeder denkt an den anderen und die Teamarbeit funktioniert bereits vor der Abreise perfekt.

und was ist, wenn wir doch etwas vergessen haben?

Auch daran denken wir viel. Es wird mit Sicherheit etwas geben, was wir vergessen haben. Nur leider wissen wir nicht was genau es sein wird. Dank des Internets wird es aber mit Sicherheit möglich sein, alles zu regeln. Mit Mobiltelefon, Laptop und Internet ist es möglich auch Angelegenheiten aus der Distanz zu regeln. Und wir sind ja auch nicht auf einem anderen Planeten, sondern mitten in der Zivilisation. Nur eben mit ein paar Stunden Zeitverschiebung zur Heimat. An einigen Orten in Asien, wird die Internetverbindung sogar besser und schneller sein, als in manchen Ecken von Deutschland.

Schwierig wird es nur, wenn persönliche Anwesenheit erforderlich ist. (Unterschriften geben bei der Bank und Behörden, Mietverträge, internationaler Führerschein)  Aber genau diese Dinge haben wir alle erfolgreich erledigt.

Müssen Dokumente von uns eigenhändig unterschrieben werden, dann werden wir dies eben während der Reise machen, und einscannen und per e-mail versenden, oder einfach per Post antworten. Es ist einfach so toll zu wissen, dass eigentlich für jedes Problem auch einige Lösungen möglich sind. Vielleicht nicht immer die Lösung, an die wir normalerweise denken würden, aber Lösungen die uns helfen weiterzukommen. Um so zu denken, mussten wir aber erstmal viel zum Thema Stressbewältigung und Problemlösung lernen. Ich habe dazu ein Buch gelesen, dass mir persönlich sehr geholfen hat in schwierigen Lagen ruhiger zu bleiben. Ich bin davon fasziniert, wie man mit ruhigem Gemüt und kühlem Sachverstand Probleme lösen kann, die einem vorher wie eine Mammutaufgabe vorkamen. Diese Gelassenheit hilft uns aktuell dabei nicht in Panik zu verfallen, wenn dann mal etwas schiefgehen sollte. Wer auch Lust auf dieses Buch hat, dem notiere ich am Ende des Beitrags gerne den Link.

Familie auf Weltreise Abschied

Unsere Reiseausrüstung

Das Büro von unterwegs

Die Post kommt zu meinen Eltern, dort wird sie geöffnet. Einfache Abläufe sind abgesprochen. Sind kompliziertere Sachverhalte zu erledigen, dann wird es an uns weitergeleitet. Nach wenigen Wochen, sollte das Briefvolumen abnehmen. So erhoffe ich es mir zumindest. Wir haben schon von Weltreisenden gehört, die alles ganz alleine regeln. Ganz ohne Hilfe von der Familie zu Hause. Davor haben wir großen Respekt. Wir sind aktuell noch nicht so weit. Katrin’s und meine Familie sind voll mit eingespannt. Sie unterstützen uns und fangen eine Menge auf. Auch das gibt uns die Ruhe, einfach loszufahren. Zu wissen, dass kompetente Vertraute fast alle Angelegenheiten regeln können in unserem Sinne. So wie wir es auch getan hätten.

Der Abschied - wie wird die Abreise aussehen?

Es entstehen erste Bilder im Kopf, wie die Abschiedsszenen aussehen könnten. Ist es richtig, daß ich mir diese Szenen schon ausmale? Ich schließe meine Augen und stelle mir vor, wie ich meine Eltern und Geschwister umarme. Zum letzten Mal die Nähe spüren, die ich nun ein Jahr nicht haben kann. Der Zug fährt ein und wir müssen einsteigen. Verspätet sich die Bahn, was wohl mal vorkommen kann 🙂 , und gewährt uns noch ein paar extra Minuten mit den Liebsten? Wenige Augenblicke später schliessen sich die Türen und wir sitzen winkend und mit Tränen in den Augen am Fenster. Draußen das gleiche Spiel. Weinende Leute klopfen ans Fenster. Unsere Familien und Freunde sind, wie wir, sehr emotional. Es wird sehr schwierig für beide Seiten.

Zug Abschied

Der Abschied am Bahngleis ist ein anderer als am Flughafen. Während man am Flughafen noch mal 2-3 Minuten rauszögern kann, bevor man durch die Sicherheitsschleusen verschwindet, kommt der Zug einfach eingefahren und wenige Minuten später rollt der Zug wieder los. Die tatsächliche Abreise-Abfertigung reduziert sich auf wenige Minuten. Wer häufig fliegt, wird wissen dass die Abfertigung am Flughafen deutlich länger dauert. Das Zeitfenster um Abschied zu nehmen ist sehr kurz. Jeder will noch umarmt werden, das Hamburger Abendblatt noch ein Foto machen und der Lokalsender noa4 die Abschiedsworte im Interview festhalten. Die Lösung? Rechtzeitig hinfahren zum Bahnhof und zeitig mit dem Verabschieden anfangen. Problem? Wir sind eigentlich immer zu spät dran. Wir sind immer auf den berühmten „letzten Drücker“ am Bahngleis.  Wie es genau aussehen wird, davon werden wir dann ausführlich berichten. Aktuell gehen unsere Gefühle durch die Decke.

Und zum Schluss, wie versprochen noch der Link zu dem Buch:

Ryan Holiday – The Obstacle is the Way